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Surprise Nr. 504

16. bis 29. Juli 2021

Sieben Schweizer Autor*innen haben uns Texte zum Thema «Defekt» geschenkt.

Bei Anna Stern schwemmt die Wartezeit am Flughafen schmerzlich etwas an die Oberfläche, das in der Vergangenheit einmal kaputtgegangen ist. ++ In Renata Burckhardts Geschichte weiss man gar nicht, was am defektesten ist: die Wasserleitungen, das Haus, die Beziehungen. Manches lässt sich reparieren, anderes nicht. Aber am Ende tauen alle ein bisschen auf und es wird einem doch noch warm ums Herz. ++ In Seraina Koblers Text spiegelt ein defektes, weil verseuchtes Stück Land eine kaputtgegangene Seele. Zerschellt an den Klippen des perfekten Familienlebens. ++ Und Martina Clavadetscher benutzt eine Motorsäge, um die Dinge wiederherzustellen: eine Geschichte, die die Abgründe eines Lorbeerbaums offenlegt. ++ Gerhard Meister beschreibt einen defekten Körper in einer defekten Welt. Dem Europäer ist die Niere ausgestiegen, die Inderin hat eine zu verkaufen, und was so gut zusammenpasst, wird zur Groteske über soziale Ungerechtigkeit. ++ Bei Simon Deckert scheint ein kleiner Junge einen Defekt zu haben. Hat er nicht. Finden aber andere doch. Und sie wollen ihn beheben, den Defekt, der gar keiner ist. Und machen dabei fast etwas kaputt. ++ In Ronja Fankhausers Text lösen sind nicht nur die Sohlen von den Sneakers, das Leben uns seine Bedingungen fransen ganz allgemein etwas aus. Aber Saleem und Distel wissen: Auch wenn es etwas lottert, muss man Sorge dazu – und zueinander – tragen.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei allen Autor*innen für ihre Geschichten. Illustriert wurden sie atmosphärisch dicht von Michael Raaflaub Illustration. Und das alles, wie immer wunderbar, gestaltet von der Bodara GmbH.

Und im Verkäufer*innenporträt sagt der Eritreer Yosef Asmerom aus tiefstem Herzen: «Ich wünsche mir eine politische Veränderung in meinem Land.» Aufgezeichnet von Dina Hungerbühler.

 

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