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Foto: ZVG

Strassenverkaufende
«Eine eigene Familie, das ist mein grösster Traum»

Stefan Zsolt Adam, 27, hatte eine schwierige Kindheit in Rumänien, heute verkauft er Surprise in Basel und freut sich darüber: «Surprise ist wie eine grosse Familie.»

«Vor einem Jahr um diese Zeit arbeitete ich an einem der schönsten Orte der Stadt, im Restaurant Waldrain auf dem Basler Hausberg Chrischona. Doris und Daniel Balliet, das Wirteehepaar, sind wunderbare Menschen, das Team war toll und die Arbeit gefiel mir. Ich war eine Art Dienstleister für alles: Ich putzte, machte den Abwasch, räumte auf, half mit, wo man mich brauchte. Jeden Tag gab ich mein Bestes, und mein Chef zeigte mir, dass er dankbar war für meine Arbeit. Das tat mir gut. Damals dachte ich nicht, dass ich bald wieder Surprise verkaufen würde.

Ich stamme aus Rumänien, wo ich zusammen mit meinem Zwillingsbruder in einem Heim aufwuchs. Mein Vater war immer wieder im Gefängnis. Meine Mutter war schon früh vor seinen Schlägen geflüchtet und hatte sich in Portugal ein neues Leben aufgebaut. Ich traf sie erst wieder, als ich neunzehn war.

Mein Bruder und ich schlugen uns mehr oder weniger alleine durch. Mit dreizehn hatte ich eine erste schwere Krise und begann, nach einem Sinn zu suchen. Ich lernte einen amerikanischen Missionar kennen, der mir Gott näherbrachte. Ich spürte: Das ist es! Aber so einfach war es dann doch nicht. Ich hatte immer wieder Krisen und mit zwanzig stürzte ich regelrecht ab. Ich zog nach Rom, stahl, trank, ging auf den Strich. Ich hatte Gott verlassen und wollte mich umbringen. Heute bin ich froh, habe ich es nicht getan.

Als ich es in Rom nicht mehr aushielt, ging ich wieder nach Rumänien und fand zurück zu mir selbst. Aber such’ mal Arbeit in Rumänien! Es gibt fast keine Stellen, und wenn du etwas findest, ist der Lohn lausig. Deshalb beschloss ich 2016, mein Glück in der Schweiz zu versuchen. Ich habe an verschiedenen Orten temporär gearbeitet, und als ich eine Weile nichts fand, ging ich zu Surprise. Ein Bekannter hatte mir davon erzählt. Ich bekam einen Platz am Bahnhof Basel und verkaufte gleich am ersten Tag viele Hefte. Die Arbeit machte mir Spass, und deshalb machte ich weiter.

Unterkunft fand ich bei christlichen Organisationen, die mich unterstützten. Ich habe mich gefühlt wie in einer grossen Familie. Einer der Pastoren und seine Frau haben mir immer mehr Arbeiten übertragen. Als sie sahen, wie zuverlässig ich bin, haben sie mich auch Freundinnen und Freunden empfohlen. Dazu gehörten eben auch die Wirte vom Waldrain, die mich dann einstellten. Doch nicht einmal ein Jahr später liessen sie sich pensionieren, und das Restaurant musste renoviert werden. Das ganze Team war traurig. Ich versuchte, das nicht zu zeigen, doch eine Kollegin musste weinen. Mein Chef hat sie in die Arme genommen und getröstet. Er ist ein wirklich guter Mensch.

Natürlich suchte ich danach wieder Arbeit, aber ich fand keine Stelle. Deshalb begann ich wieder, Surprise zu verkaufen. Nicht, dass mich das stören würde. Ich mag diesen Beruf sehr. Surprise ist wie eine grosse Familie, und das tut mir gut. Das hat wahrscheinlich mit meiner Kindheit zu tun. Mein grösster Traum ist es denn auch, selbst eine Familie zu gründen. Dafür bete ich jeden Tag.»